Great General Averages Judith Neunhäuserer und Mathias R. Zausinger, / Kuratiert von Konstantin Lannert Eröffnung 24. Oktober 2019, 19 Uhr / Jahn und Jahn / Baaderstr. 56b / 80469 München Kaum etwas lebt inmitten der Weltmeere, der Mensch schon einmal gar nicht. Auf fahrbaren Inseln bewegt er sich über das Wasser, das für ihn Wüste ist, durchkreuzt es, tonnenschwer mit Gütern beladen. Die Seefahrt war schon immer auf das Engste mit kapitalen Interessen verknüpft – Entdeckung, Ausbeutung und Handel. Zugleich scheint sie als Metapher und Idee von romantischen Vorstellungen geradezu überfrachtet. Ein Container ist ein Behältnis, in welchem unterschiedlichste Dinge verstaut oder zusammengebracht werden können. In der Seefahrt finden Container in genormten Größen Verwendung. Etwa seit Mitte der 1960er-Jahre haben sie sich im internationalen Handel durchgesetzt und erleichtern so den Transport sämtlicher Güter – sie sind damit so etwas wie die Kerneinheit der globalisierten Welt. In stetem Fluss wandern sie von Küste zu Küste, von Kontinent zu Kontinent, und tauschhandeln dabei rhythmisiert ihre Inhalte. Neben Öltankern zählen Containerschiffe zu den größten von Menschen gebauten bewegbaren Entitäten. Auf ihnen wandern hochgestapelt – bunten Bauklötzen gleich – die Seecontainer, die selbst nur geometrische Hülle sind, Raum-spender für das spekulative Treiben einiger weniger Reedereien. So ziehen sie dahin, es sei denn, es ereignen sich Great General Averages. Der "general average", oder zu Deutsch die Große Haverei beziehungsweise Havarie grosse, ist ein Begriff aus dem Seehandelsrecht und beschreibt den Fall, in welchem ein/e KapitänIn sich dazu entschließt, dem Schiff oder der Ladung vorsätzlich Schaden zuzufügen, um Schiff, Mannschaft und Ladung aus einer gemeinsamen Gefahr zu retten. Es wird auf einmal Nacht, die Winde heulen laut, Und Himmel, Meer und Grund wird wie vermengt geschaut. Das Schiff fliegt Sternen zu, stürzt wieder tief herab, Läuft unter Wellen fort, sieht um sich nichts als Grab, Hier blitzt, dort donnert es, der ganze Äther stürmt, Die Fluten sind auf Flut, und Wolk auf Wolk getürmt, Das Schiff zerscheitert itzt, und mir … ist nichts geschehn, Weil ich dem Sturme nur vom Ufer zugesehn. Johann Joachim Ewald, 1755 Text: Konstantin Lannert